2018 projekt raketeDas "Integrierte Semesterpratikum" (ISP), in dem wir Lehramtsstudenten der Pädagogischen Hochschule Praxiserfahrung sammeln können, bietet Kunststudenten die Möglichkeit, ein künstlerisches Projekt mit Klassen durchzuführen.

Beim künstlerischen Projekt handelt es sich um einen Kunstunterricht in Projektform, entwickelt vom Kunstpädagogen Carl-Peter Buschkühle. Es wirkt über das Künstlerische hinaus auch in andere Fächer. Im Fall des von uns durchgeführten künstlerischen Projekts zum Thema "Mein Körper in Bewegung" wurde künstlerisches Schaffen mit Elementen aus dem Sportunterricht - in Form von Tanz und Parcours sowie von den Kindern bevorzugten sportlichen Tätigkeiten, welche ihre Werke beeinflussten - verknüpft.

Weiter wurden Elemente aus dem Deutschunterricht wie kreatives Schreiben und Informationsbündelung zu Stichpunkten dazu genutzt, künstlerisches Handeln zu reflektieren. Methodische Kompetenzen - wie die verbale und schriftliche Präsentation der entstandenen Kunstwerke anhand eines Steckbriefs - wurden zusätzlich im Rahmen der Werkschau bei einer finalen Ausstellung erprobt.

Das künstlerische Projekt beinhaltet drei Phasen:

In der Induktions- oder Recherchephase sammelten die Schüler/innen allerlei Informationen und künstlerische Impulse zum Projektthema, um sie zu reflektieren, individuell zu bewerten, zu sortieren und letztendlich in der Planung eines eigenen kleinen Kunstprojekts zusammenzufassen.
In der Arbeitsphase wurde diese Planung praktisch umgesetzt und es entstanden Kunstwerke, welche in der Transformationsphase durch die Präsentation in einem neuen Kontext, in unserem Projekt als Ausstellungsstücke, an Bedeutung gewannen. Die Transformation geschieht jedoch nicht als feste Phase am Ende eines künstlerischen Projekts und bezieht sich nicht nur auf das entstandene Kunstwerk. Sie ist ein Prozess, der sich auch an den Kindern vollzieht.


Die jungen Projektteilnehmer/innen entwickelten in unserem künstlerischen Projekt nicht nur fachliche Kompetenzen in Kunst, Sport und Deutsch. Mit der Planung und Durchführung ihres eigenen kleinen Projekts formten sie auch sich selbst. Künstlerische Prozesse innerhalb dieses interdisziplinären Kunstprojekts leisten, laut Buschkühle, „zwischen offenen Problemen und zu entdeckenden Lösungen und zwischen Resignation und Motivation" einen bedeutsamen Beitrag zur Bildung der Persönlichkeit sowie zur Ausbildung der leiblichen, seelischen und geistigen Fähigkeiten der Schüler/-innen. Dies war vor allem in teilweise inklusiver Gruppenarbeit zu spüren, in der argumentiert, diskutiert und so mancher Kompromiss gemacht werden musste.

In den neuen Räumlichkeiten der Grundschule in der Bahnstadt schafften wir es, mit der engagierten Unterstützung und Mitwirkung eines sechsköpfigen Lehrerinnenteams und zwei Bundesfreiwilligen, die Schüler/innen der inklusiv beschulten Klassen 4, und 2b gemeinsam hin zu ihren eigenen Kunstprojekten zu begleiten. Mit vielfältigen Impulsen aus der Kunstgeschichte / -theorie, Zeichnung, Plastik, Spurenmalerei, Performance und Tanz sowie aus dem Sportunterricht inspirierten wir sie in der Induktionsphase.

In seiner Offenheit und Vielfältigkeit an Impulsen und Zugängen bot das künstlerische Projekt den optimalen Raum für die inklusive und klassenübergreifende Zusammenarbeit. Es mündete in einer finalen Ausstellung, bei der jede Teilnehmerin und jeder Teilnehmer ihr/sein Kunstwerk vor den Mitschülern/innen aller Klassen präsentieren konnte. Weiter gab es einen Bereich, in dem die in der Induktionsphase entstandenen Reflexionsheftchen ausgestellt wurden, welche die Schüler/innen bei der Ideenfindung für ihre Kunstwerke unterstützt hatten.

(Bericht ISP-Studentinnen der PH Heidelberg)

2018 projekt zimmer    2018 projekt flughafen

Quelle:
Carl-Peter Buschkühle. "Konturen künstlerischer Bildung"
https://www.phheidelberg.de/fileadmin/user_upload/org/fakII/MDS/KUNST/STUDIUM/Buschkuehlekuenstlerische_Bildung.pdf (01.02.2018)