2019 RNZ Foto Bewegungsschule Bahnstadt opt

Nachdem die Grundschule Bahnstadt offiziell zur „Bewegten Schule“ wurde, erhielten wir Besuch von der Rhein-Neckarzeitung, die den folgenden Artikel am 26.11.2019 veröffentlichte:

Bahnstadtschule wurde als „Bewegte Schule“ ausgezeichnet – Lernen ist hier viel aktiver als andernorts – Neue Rollbretter angeschafft

Von Marion Gottlob

Bahnstadt. Hier ist eine ganze Schule in Bewegung! In der Bahnstadtschule werden moderne Erkenntnisse zum Lernen praktisch angewandt. Dazu gehört die Kombination von Bewegung und Lernen. Das war allen so selbstverständlich, dass es zunächst niemandem in der Schule bewusst war. Schulleiterin Melanie Kronz: „Eine Mutter hat uns darauf aufmerksam gemacht, dass wir uns für eine Auszeichnung bewerben könnten.“ Nun wurde die Schule vom Kultusministerium Baden-Württemberg als „Bewegte Schule“ ausgezeichnet.

Ein normaler Tag für eine vierte Klasse mit dem Lehrer-Team Wiebke Nass, Christina Bitterlich und Karl Drehsel. Los ging es für die 19 Kinder mit Mathematik. Sie haben sich mit den Themen Flächen, Volumen und Umfang beschäftigt und in Gruppen zum Beispiel den Umfang des Flurs und des Pausenhofs vermessen.

Nach der Konzentration entscheidet Lehrerin Wiebke Nass, dass es Zeit für eine interne Klassenpause ist. Die Kinder treten von den Stühlen zurück. Zum Mitmach-Lied „Ich fass an meine Nase, ich fass an meine Ohr’n“ kommen sie in Bewegung. Gelächter gibt es bei der Passage: „Dann gehe ich in die Hocke und stehe wieder auf und mache um mich einen Dauerlauf.“

An der Bahnstadtschule sind fünf von neun Klassen Inklusionsklassen mit Kindern mit Handicap. In dieser vierten Klasse werden fünf Kinder mit geistiger oder körperlicher Behinderung integriert. Felix kümmert sich ohne Anweisung darum, dass ein Mitschüler im Rollstuhl die Übungen mitmachen kann. So dreht er beim „Dauerlauf“ den Rollstuhl eines Mitschülers mit – sehr zum Vergnügen des anderen Kindes.

Danach ist die Gruppe wieder fit. Es gibt erneut keinen Frontalunterricht. Für Deutsch steht eine Lern-Theke mit 15 Fächern zur Verfügung. Jedes Kind holt sich an der Theke Aufgabenblätter zum Thema „Tiere und Fabeln“. Mads und Carl sollen aus Satzteilen Sprichwörter zusammenfügen: „Man sollte immer auch – vor der eigenen Haustür kehren.“ Die Jungen sitzen nicht ruhig am Tisch, sondern schlittern auf einem Rollbrett liegend den Flur entlang – und setzen doch gemeinsam die Sprichwörter zusammen.

Gleichzeitig machen Arian und Marie-Lena ein Ratespiel. Arian trägt einen Zettel „Hase – ängstlich, vorlaut“ auf der Stirn und muss anhand von Fragen erraten, welches Tier er darstellt: „Bin ich nett? Bin ich ein Wolf? Gib mir einen Tipp.“ Später sagt er: „Raten macht Spaß.“ Laura dagegen hat sich für eine Einzelarbeit entschieden und studiert die Eigenschaften von Fabeltieren. Mit Hilfe der Lerntheke wird es möglich, Kinder mit den unterschiedlichsten Möglichkeiten in einer Klasse zu unterrichten. Für Kinder mit einer geistigen Behinderung gibt es manchmal besondere Aufgaben.

Zum Konzept „Bewegte Schule“ gehören neben den Klassenpausen weitere Module: Dank einer Kooperation mit der Graf-von-Galen-Schule gehen alle Klassen regelmäßig schwimmen. Es gibt eine Zusammenarbeit mit der Ballschule und dem Heidelberger Turnverein HTV. Einmal im Jahr ist das Roller-Mobil zu Gast, so dass die Klassen im Wechsel Roller fahren können. Zweimal im Jahr nehmen Kinder der Bahnstadtschule am Bambini-Lauf des Halbmarathons der Bahnstadt teil.

Zurück zur vierten Klasse: Auch wenn sich die Kinder bewegen, ist es relativ still. Schulleiterin Kronz: „Die Kinder sind so ruhig, gerade weil sie sich bewegen können.“ Die Auszeichnung war verbunden mit einem Preisgeld von 400 Euro. Lehrerin Nass freut sich: „Mit dem Geld haben wir weitere Rollbretter angeschafft.“